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Klimawandel – Bitumenbahnen halten stand

Die Beanspruchungen, denen eine Abdichtung unterliegt, sind genauestens bekannt. Heute stehen Werkstoffe in einer Qualität zur Verfügung, die den Anforderungen auch von außergewöhnlichen Flachdachkonstruktionen gewachsen sind.Und nicht zuletzt ist die Ausführung in Richtlinien und Normen bis ins Detail geregelt. Auch der Ausbildungsstand der Verarbeiter war noch nie so gut wie heute.

Raue Baustellenbedingungen kein Problem
Die meisten Flachdächer werden mit Bitumenbahnen abgedichtet. Diese haben mit den „Dachpappen“ vergangener Zeiten allenfalls noch die generelle Geometrie gemein. Sie bestehen im Wesentlichen aus Bitumendeckschichten und Trägern. Allerdings sind die heute verwendeten Bitumenmassen kunststoffmodifizierte High-Tech-Produkte. Die Träger bestehen aus verstärkten Glasvliesen, gewebten Glasfäden, Kunststoffspinnvliesen sowie aus der Kombination dieser Werkstoffe. Um allen Beanspruchungen standzuhalten, sind Träger und Bitumendeckschichten aufs Sorgfältigste aufeinander abgestimmt. Sie wurden für eine handwerksgerechte Verarbeitung unter den rauen Bedingungen der Baustellenwirklichkeit konzipiert.

Die wesentliche Funktion der Dachabdichtung ist der nachhaltige und dauerhafte Schutz des Gebäudes vor dem Eindringen von Niederschlägen. Um diese Funktion zu erfüllen, muss die Abdichtung verschiedenen Beanspruchungen gewachsen sein. Neben fotochemischen Einflüssen, Einwirkungen durch UV-Strahlung und Ozon sowie chemischen und biogenen Belastungen, unterliegen Abdichtungen vor allem mechanischen und thermischen Beanspruchungen, die jeweils unterschiedlich hoch sein können. Hohe mechanische Beanspruchungen können sich aus dem Untergrund der Dachabdichtung oder aus der Tragkonstruktion ergeben. So unterliegen zum Beispiel Betonfertigteile oder Betondielen mitunter Verformungen und leiten entsprechende Kräfte an die Abdichtung weiter, die von dieser schadlos aufgenommen werden müssen. Oder die Abdichtung muss die Bewegung von harten, scharfkantigen Dämmstoffen, schwingenden Unterkonstruktionen oder das Quellen und Schwinden von Unterkonstruktionen aus Holz und Holzwerkstoffen absorbieren. Windsogkräfte wirken auf lose verlegte, mechanisch befestigte Dachabdichtungen ein und stellen hohe Anforderungen an die Werkstoffe und deren Nahtverbindungen.

Darüber hinaus stellt ein häufiges Begehen der Dachfläche zu Inspektions- und Wartungsarbeiten, wie es bei Grün- oder Industriedächern erforderlich ist, eine hohe mechanische Beanspruchung dar, die durch weiche Dämmstoffe noch vergrößert wird. Und nicht zu vergessen, die immer häufiger auftretende Belastung der Abdichtung durch Hagelschlag. Abdichtungen müssen auch thermische Beanspruchungen verkraften, wenn sie ungeschützt starken Schwankungen ausgesetzt sind. Man bedenke, dass im Hochsommer die Temperatur von Abdichtungen zirka achtzig Grad Celsius erreichen und sich durch einen Gewitterregen schlagartig abkühlen kann. Oder man denke an die „Schattenfuge“ bei Sheddächern, die eine erhebliche Temperaturdifferenz auf engstem Raum nahezu dauerhaft festschreibt. Ähnliches gilt für die Ränder von Pfützen, die bei unzureichendem Gefälle auf Dächern verbleiben.

Materialeigenschaften tragen den Beanspruchungen Rechnung
Die Trägereinlagen von Bitumenbahnen ermöglichen hohe Reißfestigkeiten und Dehnungen. So können zum Beispiel Bahnen mit hochwertigen Polyestervliesen Zugkräfte von 1.200 Newton und mehr bei einer Dehnung von fünfzig Prozent erreichen. Bahnen die in der Lage sind, derartige Kräfte aufzunehmen und gleichzeitig ein entsprechend hohes Dehnungsvermögen besitzen, können die wechselnden mechanischen Beanspruchungen schadlos überstehen. Streifenweise unverklebt können sie unter Umständen über Bewegungsfugen eingesetzt werden. Bahnen früherer Generation hätten hier hoffnungslos versagt. Verstärkte Träger ermöglichen – ohne die erforderliche Dehnung der Bahn einzuschränken – eine gute Dimensionsstabilität (< 0,1 Prozent), was insbesondere bei mechanisch befestigten Dachsystemen von Bedeutung ist. Moderne Kombinationsträger sorgen für eine große Perforationsfestigkeit, die Polymermodifikation des Bitumens bewirkt eine hohe Wärmestandfestigkeit und Kälteflexibilität der Bahnen. Schon bei genormten Elastomerbitumenbahnen beginnt die Temperaturspanne über plus einhundert Grad und endet unter minus 25 Grad Celsius. Bei Hochwertbahnen sind diese für die Lebensdauer wichtigen Kenndaten durch spezielle Kunststoffzusätze und entsprechende Produktionsverfahren auf über plus 150 Grad und unter minus 35 Grad Celsius steigerungsfähig. Bitumenbahnen der heutigen Generation sind für verschiedene Applikationen verfügbar: zur Verklebung mit Heißbitumen, als Schweißbahnen, als Bahn für die einlagige Verlegung, zur losen Verlegung und zur mechanischen Befestigung, kaltselbstklebend, mit Dampfdruckausgleichsflächen, mit Klebstoffen für die Wärmedämmung etc. Die Qualität polymermodifizierter Bitumenbahnen lässt sich direkt an den technischen Eigenschaften der Bahnen, insbesondere den thermischen und mechanischen Eigenschaften, ablesen. Sie korrelieren mit den thermischen und mechanischen Beanspruchungen, denen die Abdichtung insgesamt unterliegt und bieten die Basis für die Qualität heutiger Flachdächer und deren Dauerhaftigkeit, Langlebigkeit und Sicherheit.

Fazit: Qualität macht Sinn
Das Klima ändert sich, Extremwetterereignisse werden zunehmen, Stürme werden stärker, Starkregenfälle und Hagelschläge häufiger, die Schneemassen auf Dächern höher. All dies führt zu höherer Beanspruchung von Dachabdichtungen und -konstruktionen und ist schon bei der Planung von Gebäuden zu berücksichtigen. Die heute zur Verfügung stehenden Materialien sind die Antwort darauf. Die Umsetzung obliegt dem fachkundigen Verarbeiter. Festzuhalten bleibt, dass die Qualität von Flachdächern noch nie so gut war wie
heute.